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Rechtssichere KI-Kaltakquise 2026: § 7 UWG, § 7a UWG und DSGVO im Zusammenspiel
Ein KI-Voice-Agent darf in Deutschland Outbound-Werbeanrufe führen — aber nur unter denselben Bedingungen, unter denen auch ein Mensch anrufen dürfte, und zusätzlich unter zwei Auflagen, die viele Teams übersehen: der Dokumentationspflicht aus § 7a UWG und der KI-Transparenzpflicht aus dem EU AI Act, die ab dem 2. August 2026 greift. Die Technik ist nicht das Problem. Der Consent-Nachweis ist es.
Die kurze Antwort für Vertriebsleitungen: Bei Verbrauchern brauchen Sie eine vorherige ausdrückliche Einwilligung, bei Unternehmen mindestens eine mutmaßliche Einwilligung. Wird der Anruf als Werbung mit einer automatischen Anrufmaschine eingestuft, verlangt § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG in jedem Fall eine vorherige ausdrückliche Einwilligung — auch im B2B. Wer ohne Einwilligung anruft, riskiert ein Bußgeld von bis zu 300.000 Euro; wer die Einwilligung nicht sauber dokumentiert, bis zu 50.000 Euro.
Dieser Guide erklärt, welche Rechtsebenen bei einem KI-Anruf gleichzeitig gelten, wie ein sauberer Consent-Nachweis technisch aussieht und wie ein KI-Telefonassistent so konfiguriert wird, dass der Nachweis automatisch im CRM landet statt in einer Excel-Liste.
Hinweis: Dieser Artikel ist eine strukturierte Einordnung der Rechtslage, keine Rechtsberatung. Für die verbindliche Bewertung Ihres konkreten Kampagnen-Setups ziehen Sie bitte eine auf Wettbewerbs- und Datenschutzrecht spezialisierte Kanzlei hinzu.
Die drei Rechtsebenen, die bei jedem KI-Anruf gleichzeitig gelten
Der häufigste Denkfehler in Outbound-Projekten ist, Compliance als eine einzige Frage zu behandeln — „dürfen wir anrufen?". Tatsächlich greifen mindestens drei voneinander unabhängige Regelwerke, und jedes hat eine eigene Aufsichtsbehörde, eigene Sanktionen und eine eigene Prüflogik.
Erstens das Wettbewerbsrecht. § 7 UWG regelt, ob Sie überhaupt anrufen dürfen. Zuständig für Bußgelder ist bei Telefonwerbung die Bundesnetzagentur. Verstöße können zusätzlich von Wettbewerbern und Verbraucherverbänden abgemahnt werden — das ist in der Praxis der schnellere und teurere Weg als das Bußgeldverfahren.
Zweitens das Datenschutzrecht. Die DSGVO regelt, ob Sie die Telefonnummer überhaupt verarbeiten dürfen, welche Informationspflichten Sie haben und was mit Transkripten und Aufzeichnungen passiert. Zuständig sind die Landesdatenschutzbehörden.
Drittens das KI-Recht. Der EU AI Act verlangt in Artikel 50, dass natürliche Personen darüber informiert werden, dass sie mit einem KI-System interagieren — es sei denn, das ist aus Sicht einer verständigen Person ohnehin offensichtlich. Bei einem realistisch klingenden Voice-Agent ist es das nicht. Diese Transparenzpflichten gelten ab dem 2. August 2026.
Ein Setup, das nur eine dieser Ebenen erfüllt, ist nicht compliant. Das ist der Grund, warum viele Outbound-Piloten nach der ersten juristischen Prüfung gestoppt werden: Die Kampagne war werberechtlich sauber, aber es gab keine Rechtsgrundlage für die Datenverarbeitung — oder umgekehrt.
§ 7 UWG: Wann Sie anrufen dürfen und wann nicht
§ 7 Abs. 2 UWG nennt drei Fälle, in denen eine unzumutbare Belästigung „stets anzunehmen" ist. Für Telefonie sind zwei davon relevant.
Nr. 1 — der klassische Werbeanruf. Gegenüber einem Verbraucher ist er ohne dessen vorherige ausdrückliche Einwilligung unzulässig. Gegenüber einem sonstigen Marktteilnehmer — also im B2B — genügt eine zumindest mutmaßliche Einwilligung. Mutmaßlich heißt: Es müssen konkrete Anhaltspunkte vorliegen, dass der Angerufene an genau diesem Angebot sachliches Interesse hat. Ein Handwerksbetrieb, der Dachfenster verbaut, darf plausibel bei einem Dachdecker-Großhandel anrufen. Derselbe Betrieb darf nicht plausibel eine Steuerkanzlei anrufen, um Bürostühle zu verkaufen.
Nr. 2 — die automatische Anrufmaschine. Hier kennt das Gesetz keine B2B-Erleichterung. Werbung unter Verwendung einer automatischen Anrufmaschine ist ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung des Adressaten stets unzumutbar. Genau an dieser Stelle wird es für KI-Voice-Agents interessant.
| Konstellation | Menschlicher Anruf | KI-Voice-Agent (konservative Auslegung) |
|---|---|---|
| Verbraucher (B2C), kein Kundenkontakt | Ausdrückliche Einwilligung nötig | Ausdrückliche Einwilligung nötig |
| Verbraucher (B2C), Bestandskunde | Ausdrückliche Einwilligung nötig | Ausdrückliche Einwilligung nötig |
| Unternehmen (B2B), sachlicher Bezug | Mutmaßliche Einwilligung genügt | Ausdrückliche Einwilligung empfohlen |
| Unternehmen (B2B), kein Bezug | Unzulässig | Unzulässig |
| Serviceanruf ohne Werbezweck | Kein § 7 UWG-Fall | Kein § 7 UWG-Fall, aber DSGVO und AI Act gelten |
Die Unterscheidung zwischen Werbung und Service ist dabei kein Formalismus, sondern der wichtigste Hebel im gesamten Compliance-Design. Ein Anruf, der einen bestehenden Termin bestätigt, eine Lieferung ankündigt, eine Rückfrage zu einem laufenden Auftrag klärt oder eine offene Rechnung anspricht, ist keine Werbung im Sinne des § 7 UWG. Sobald derselbe Anruf ein zusätzliches Produkt anbietet, kippt er in die Werbung.
Zählt ein KI-Voice-Agent als automatische Anrufmaschine?
Das ist die zentrale offene Frage — und sie ist bislang nicht höchstrichterlich geklärt. Der Begriff der automatischen Anrufmaschine stammt aus einer Zeit, in der damit ein Bandansage-Automat gemeint war: ein Gerät, das eine vorproduzierte Botschaft abspielt, ohne dass ein Mensch beteiligt ist oder ein Dialog stattfindet.
Ein moderner Voice-Agent verhält sich technisch anders. Er hört zu, versteht das Anliegen, reagiert auf Einwände, führt einen echten Dialog und übergibt bei Bedarf an einen Menschen. Wer argumentiert, das sei etwas anderes als eine Bandansage, hat gute Argumente. Wer argumentiert, es finde eben doch kein menschliches Zutun statt, ebenfalls.
Für die Praxis heißt das: Sie planen eine Kampagne nicht auf Basis einer ungeklärten Rechtsfrage. Die belastbare Empfehlung lautet, KI-Outbound-Werbung so zu behandeln, als greife § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG — also mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligung, auch im B2B. Das kostet Reichweite, macht die Kampagne aber unangreifbar. Und es hat einen zweiten, unterschätzten Effekt: Listen mit dokumentierter Einwilligung konvertieren deutlich besser als kalte Listen, weil die Angerufenen den Kontext bereits kennen.
§ 7a UWG: Die Dokumentationspflicht, an der die meisten Projekte scheitern
§ 7a UWG ist die Vorschrift, die in Projektplanungen am häufigsten fehlt. Sie verlangt zweierlei: Erstens muss die vorherige ausdrückliche Einwilligung eines Verbrauchers in die Telefonwerbung zum Zeitpunkt der Erteilung in angemessener Form dokumentiert werden. Zweitens ist dieser Nachweis ab Erteilung der Einwilligung sowie nach jeder Verwendung fünf Jahre aufzubewahren und der Bundesnetzagentur auf Verlangen unverzüglich vorzulegen.
Drei Details entscheiden über Bestehen oder Scheitern einer Prüfung.
Zeitpunkt der Erteilung. Ein nachträglich erzeugter Screenshot des Formulars reicht nicht. Sie brauchen einen Datensatz, der zum Zeitpunkt des Opt-ins entstanden ist: Zeitstempel, Herkunft, Wortlaut der Einwilligungserklärung, Identifikationsmerkmal der Person.
Nach jeder Verwendung. Die Fünf-Jahres-Frist beginnt nicht nur bei Erteilung, sondern erneut nach jeder Nutzung der Einwilligung. Praktisch bedeutet das: Jeder einzelne Anruf muss auf den konkreten Consent-Datensatz zurückführbar sein. Eine Kampagnenliste ohne Rückreferenz auf die Einwilligungs-ID erfüllt das nicht.
Unverzügliche Vorlage. Wenn die Bundesnetzagentur anfragt, haben Sie keine Wochen Zeit, um in drei Systemen zu suchen. Der Nachweis muss abrufbar sein — idealerweise über eine Suche nach Rufnummer.
Wer die Dokumentation nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig führt, begeht eine eigenständige Ordnungswidrigkeit — unabhängig davon, ob die Einwilligung tatsächlich vorlag. Das ist der Punkt, den viele Teams unterschätzen: Sie können rechtmäßig angerufen haben und trotzdem ein Bußgeld kassieren, weil der Nachweis fehlt.
DSGVO: Rechtsgrundlage, Informationspflichten, Aufzeichnung
Werberechtliche Zulässigkeit und datenschutzrechtliche Zulässigkeit sind zwei verschiedene Prüfungen. Selbst wenn § 7 UWG erfüllt ist, brauchen Sie für die Verarbeitung der Rufnummer eine Rechtsgrundlage nach Art. 6 DSGVO — in der Regel Einwilligung nach Art. 6 Abs. 1 lit. a oder berechtigtes Interesse nach lit. f, letzteres mit dokumentierter Abwägung.
Bei KI-Telefonie kommen drei Verarbeitungen hinzu, die es beim menschlichen Anruf so nicht gibt: die Transkription des Gesprächs, die Verarbeitung durch Sprach- und Sprachmodelle, und die automatisierte Auswertung des Ergebnisses. Für alle drei brauchen Sie eine saubere Grundlage im Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten sowie Auftragsverarbeitungsverträge mit den beteiligten Anbietern.
Für die Aufzeichnung selbst gilt eine strengere Regel: Eine Tonaufnahme des nicht öffentlich gesprochenen Wortes ohne Einwilligung ist strafrechtlich relevant. Ein Transkript ohne Audiomitschnitt ist datenschutzrechtlich anders zu bewerten als eine Aufzeichnung — in vielen Setups die pragmatischere Wahl. Der Hinweis darauf gehört an den Gesprächsanfang, nicht ins Kleingedruckte.
Praktisch relevant ist außerdem der Serverstandort. Wer mit europäischen Kundendaten arbeitet, sollte begründen können, wo Audio, Transkript und Metadaten verarbeitet werden. Ein AI Callcenter mit EU-Hosting reduziert den Begründungsaufwand gegenüber Datenschutzbeauftragten und Kunden erheblich.
EU AI Act ab 2. August 2026: Transparenzpflicht am Telefon
Artikel 50 des EU AI Act verlangt, dass KI-Systeme, die direkt mit natürlichen Personen interagieren, so gestaltet sind, dass die betroffenen Personen darüber informiert werden, dass sie mit einem KI-System interagieren. Die Ausnahme greift nur, wenn das für eine verständige, aufmerksame Person ohnehin offensichtlich ist.
Bei einem Voice-Agent mit natürlicher Prosodie ist genau das nicht der Fall — das ist ja der Punkt der Technologie. Die Offenlegung gehört deshalb in die Begrüßung, nicht auf Nachfrage. Sie muss nicht umständlich sein. Ein Satz genügt.
Guten Tag, hier ist Lena, die digitale Assistentin von Nordlicht Energieberatung. Ich rufe an, weil Sie am 14. Juli auf unserer Website einen Rückruf zur Förderberatung angefordert haben. Passt es Ihnen gerade kurz?
Dieser eine Satz erfüllt drei Anforderungen gleichzeitig: die KI-Offenlegung nach Art. 50 AI Act, die Identitäts- und Zweckangabe nach § 312a Abs. 1 BGB und den Bezug auf die konkrete Einwilligung. Wie die Begrüßung technisch fest verdrahtet wird, ohne dass das Sprachmodell sie umformuliert, steht in der Dokumentation zur Initial Message.
§ 312a BGB: Was zu Gesprächsbeginn gesagt werden muss
Ruft ein Unternehmer einen Verbraucher an, um mit ihm einen Vertrag zu schließen, muss der Anrufer zu Beginn des Gesprächs seine Identität, gegebenenfalls die Identität der Person, für die er anruft, sowie den geschäftlichen Zweck des Anrufs offenlegen. Bei Fernabsatzverträgen über Finanzdienstleistungen kommt der Hinweis hinzu, wenn das Gespräch aufgezeichnet wird oder werden könnte.
Für Agenturen und White-Label-Setups ist der Mittelteil entscheidend: Wenn Ihre KI im Auftrag eines Kunden anruft, muss klar werden, für wen sie anruft. Ein Agent, der sich nur mit dem Agenturnamen meldet, erfüllt das nicht.
Bußgeldrahmen und Zuständigkeiten
| Verstoß | Norm | Bußgeldrahmen | Behörde |
|---|---|---|---|
| Werbeanruf beim Verbraucher ohne ausdrückliche Einwilligung | § 20 Abs. 1 Nr. 1 UWG | bis 300.000 Euro | Bundesnetzagentur |
| Einwilligung nicht oder fehlerhaft dokumentiert bzw. nicht 5 Jahre aufbewahrt | § 20 Abs. 1 Nr. 2 UWG | bis 50.000 Euro | Bundesnetzagentur |
| Übrige Fälle des § 20 Abs. 1 UWG | § 20 Abs. 2 UWG | bis 100.000 Euro | Bundesamt für Justiz |
| Verarbeitung ohne Rechtsgrundlage | Art. 83 DSGVO | bis 20 Mio. Euro oder 4 Prozent Konzernumsatz | Landesdatenschutzbehörde |
Hinzu kommt das Abmahnrisiko durch Wettbewerber und Verbraucherverbände, das unabhängig vom Bußgeldverfahren läuft und in der Praxis schneller eintritt. Eine strafbewehrte Unterlassungserklärung bindet dauerhaft und macht jeden Wiederholungsfall empfindlich teuer.
Was das für Ihre Outbound-Kosten bedeutet
Compliance verteuert Outbound nicht — sie verschiebt die Kostenstruktur. Eine kalte Liste mit 10.000 Nummern ist billig in der Beschaffung und teuer im Risiko. Eine Opt-in-Liste mit 1.200 Nummern ist teurer in der Beschaffung und praktisch risikofrei. Entscheidend ist, was pro qualifiziertem Termin herauskommt.
Hier verändert KI-Telefonie die Rechnung. Wenn der Anruf pro Minute statt pro Stunde kostet, wird es wirtschaftlich sinnvoll, eine kleinere, sauber eingewilligte Liste mehrfach und in besseren Zeitfenstern zu bearbeiten, statt eine große Liste einmal durchzutelefonieren. Eine Nachfassaktion nach drei Tagen ist mit einem Voice-Agent kalkulierbar, mit einem externen Callcenter oft nicht. Eine Übersicht der Minutenpreise finden Sie auf der Preisseite.
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Umsetzung: sieben Schritte zum belastbaren Outbound-Setup
Schritt 1 — Zweck festlegen. Klären Sie vor allem anderen, ob die Kampagne Werbung oder Service ist. Schreiben Sie es auf. Diese Entscheidung bestimmt alle folgenden Schritte.
Schritt 2 — Consent-Feld im CRM anlegen. Sie brauchen mindestens vier Felder pro Kontakt: Zeitpunkt des Opt-ins, Quelle, Wortlaut der Einwilligungserklärung und eine eindeutige Consent-ID. Ein Häkchen mit der Beschriftung darf angerufen werden reicht nicht.
Schritt 3 — Kampagne gegen das Consent-Feld filtern. Kein Kontakt ohne gültige Consent-ID kommt in die Anrufliste. Das ist eine technische Sperre, keine Prozessvereinbarung — Prozessvereinbarungen werden unter Quartalsdruck gebrochen.
Schritt 4 — Begrüßung fest verdrahten. KI-Offenlegung, Identität, Auftraggeber, Zweck und Consent-Bezug gehören in die Initial Message, nicht in den freien Prompt. Details zur Trennung von fester Begrüßung und Gesprächslogik stehen in der Dokumentation zum System-Prompt.
Schritt 5 — Widerspruch sofort verarbeiten. Sagt jemand, dass er nicht mehr angerufen werden möchte, muss das im selben Gespräch erkannt, bestätigt und per Webhook ins CRM geschrieben werden. Eine Sperrliste, die nachts per Batch aktualisiert wird, ist ein Risiko: Bis dahin kann derselbe Kontakt erneut angerufen werden.
Schritt 6 — Ergebnis zurückschreiben. Ausgang, Zeitstempel und die verwendete Consent-ID gehören nach jedem Anruf ins CRM. Damit erfüllen Sie die Anforderung aus § 7a Abs. 2 UWG, den Nachweis nach jeder Verwendung fortzuführen. Welche Systeme direkt angebunden sind, zeigt die Integrationsübersicht.
Schritt 7 — Vor dem Start testen. Rufen Sie sich selbst an. Prüfen Sie Begrüßung, Widerspruchserkennung, Übergabe an einen Menschen und den CRM-Eintrag. Erst danach skalieren.
Typische Fehler aus der Praxis
Das Bestandskunden-Missverständnis. Der Satz, ein Kunde dürfe ja angerufen werden, hält der Prüfung nicht stand. Für Werbeanrufe bei Verbrauchern gibt es keine Bestandskundenausnahme wie bei E-Mail. Ein Fitnessstudio mit elf Standorten, das ausgelaufene Mitgliedschaften per KI reaktivieren will, braucht dafür eine ausdrückliche Einwilligung — der alte Vertrag genügt nicht.
Die Einwilligung von der Liste. Wer Adressen einkauft, kauft in der Regel keine belastbare Einwilligung mit. Sie müssen den Nachweis vorlegen können, nicht der Listenanbieter. Ohne übertragbare Consent-Dokumentation ist die Liste für KI-Outbound unbrauchbar.
Die versteckte Offenlegung. Ein Agent, der erst auf Nachfrage zugibt, eine KI zu sein, erfüllt Artikel 50 AI Act nicht. Die Information muss unaufgefordert kommen.
Der Zweck-Schleichweg. Ein Terminbestätigungsanruf, der am Ende ein Zusatzprodukt anbietet, ist ein Werbeanruf. Diese Konstruktion ist verbreitet und hält einer wettbewerbsrechtlichen Prüfung regelmäßig nicht stand.
Die B2B-Pauschale. Mutmaßliche Einwilligung im B2B ist kein Freibrief, sondern verlangt einen konkreten sachlichen Bezug zum Angebot — pro Zielgruppe, nicht pauschal für alle Unternehmen.
Drei Branchenbeispiele
Energieberatung, B2C, Leads aus Vergleichsportal. Nordlicht Energieberatung kauft Leads mit Rückrufwunsch. Die Einwilligung liegt beim Portal — übertragbar nur, wenn der Portal-Vertrag das ausdrücklich vorsieht und den Wortlaut mitliefert. Nordlicht speichert Zeitstempel, Portal, Wortlaut und Consent-ID beim Import und ruft ausschließlich Datensätze mit vollständigem Set an. Rückrufwünsche werden innerhalb von zwei Stunden bedient, weil die Einwilligung dann noch präsent ist.
Fenster- und Türenbau, B2B, Kaltakquise bei Bauträgern. Fenster und Türen Ostermeier mit 40 Mitarbeitern ruft regionale Bauträger an. Sachlicher Bezug ist gegeben. Weil offen ist, ob der Voice-Agent als automatische Anrufmaschine gilt, wählt das Unternehmen den konservativen Weg: Der KI-Agent ruft nur Kontakte an, die auf einer Messe oder über ein Formular ausdrücklich zugestimmt haben. Die reine Kaltakquise ohne Einwilligung führen weiterhin Menschen.
Autohaus, Service statt Werbung. Ein Autohaus lässt den Voice-Agent Werkstatttermine bestätigen und an fällige Inspektionen aus dem Serviceintervall erinnern. Das ist Vertragsdurchführung, keine Werbung — § 7 UWG greift nicht. Sobald derselbe Anruf ein Leasingangebot enthielte, wäre es Werbung. Die Grenze wird im Prompt hart gezogen: kein Produktangebot ohne dokumentierte Einwilligung.
Fazit
Rechtssichere KI-Kaltakquise ist kein juristisches Sonderthema, sondern eine Frage der Datenarchitektur. Wer Einwilligung, Zeitpunkt, Quelle und Wortlaut sauber im CRM führt, jede Anrufliste technisch gegen dieses Feld filtert und jedes Ergebnis samt Consent-ID zurückschreibt, erfüllt § 7 und § 7a UWG praktisch nebenbei. Wer das nicht tut, hat ein Problem — mit oder ohne KI.
Die drei Dinge, die vor dem ersten Anruf stehen müssen: eine klare Entscheidung, ob die Kampagne Werbung oder Service ist; ein Consent-Datensatz, der einer Prüfung standhält; und eine Begrüßung, die KI-Einsatz, Identität, Auftraggeber und Zweck in einem Satz offenlegt. Der EU AI Act macht den dritten Punkt ab dem 2. August 2026 verbindlich.
Famulor bildet diese Kette in einem System ab: Lead-Felder für die Consent-Dokumentation, feste Begrüßungen unabhängig vom Sprachmodell, Echtzeit-Erkennung von Widersprüchen, Post-Call-Webhooks für den Rückschreib-Prozess und EU-Hosting für die Datenverarbeitung. Der pragmatische nächste Schritt: Nehmen Sie eine bestehende Kampagne, prüfen Sie sie gegen die sieben Schritte oben und starten Sie mit dem Segment, dessen Einwilligung heute schon dokumentiert ist.
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FAQ
Darf ein KI-Voice-Agent in Deutschland Kaltakquise machen?
Bei Verbrauchern nur mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligung. Im B2B genügt nach § 7 Abs. 2 Nr. 1 UWG grundsätzlich eine mutmaßliche Einwilligung. Ungeklärt ist allerdings, ob ein KI-Agent als automatische Anrufmaschine im Sinne von Nr. 2 gilt — dann wäre auch im B2B eine ausdrückliche Einwilligung nötig.
Wie hoch sind die Bußgelder bei unerlaubter Telefonwerbung?
Nach § 20 Abs. 2 UWG bis zu 300.000 Euro für Werbeanrufe bei Verbrauchern ohne ausdrückliche Einwilligung und bis zu 50.000 Euro für fehlende oder fehlerhafte Einwilligungsdokumentation. Zuständig ist die Bundesnetzagentur.
Was genau muss ich nach § 7a UWG dokumentieren?
Die ausdrückliche Einwilligung des Verbrauchers zum Zeitpunkt ihrer Erteilung in angemessener Form. Der Nachweis ist ab Erteilung und nach jeder Verwendung fünf Jahre aufzubewahren und der Bundesnetzagentur auf Verlangen unverzüglich vorzulegen.
Muss ich offenlegen, dass der Anrufer eine KI ist?
Ja. Artikel 50 EU AI Act verlangt, dass Personen informiert werden, wenn sie mit einem KI-System interagieren, sofern das nicht ohnehin offensichtlich ist. Bei natürlich klingenden Voice-Agents ist es das nicht. Die Transparenzpflichten gelten ab dem 2. August 2026.
Gilt für Bestandskunden eine Ausnahme wie bei E-Mail-Werbung?
Nein. Die Ausnahme in § 7 Abs. 3 UWG bezieht sich ausdrücklich auf elektronische Post, nicht auf Telefonanrufe. Für Werbeanrufe bei Verbrauchern bleibt es bei der ausdrücklichen Einwilligung, auch bei bestehender Kundenbeziehung.
Sind Terminerinnerungen und Serviceanrufe auch betroffen?
§ 7 UWG greift nur bei Werbung. Reine Vertragsdurchführung wie Terminbestätigungen, Lieferavise oder Rückfragen zu laufenden Aufträgen fällt nicht darunter. DSGVO-Pflichten und die KI-Offenlegungspflicht gelten aber weiterhin.
Darf ich KI-Telefonate aufzeichnen?
Nur mit Einwilligung aller Gesprächsteilnehmer — die Aufnahme des nicht öffentlich gesprochenen Wortes ist ohne Einwilligung strafrechtlich relevant. Ein reines Transkript ohne Audiomitschnitt ist rechtlich anders zu bewerten und in vielen Setups die pragmatischere Lösung.
Was passiert, wenn jemand im Gespräch widerspricht?
Der Widerspruch muss sofort wirksam werden. Technisch heißt das: Erkennung im laufenden Gespräch, Bestätigung gegenüber dem Angerufenen und unmittelbare Übergabe an die Sperrliste per Webhook — nicht per nächtlichem Batch-Lauf.
Reicht eine gekaufte Adressliste mit Opt-in-Vermerk?
In der Regel nicht. Nachweispflichtig sind Sie, nicht der Listenanbieter. Ohne übertragbare Dokumentation von Zeitpunkt, Quelle und Wortlaut der Einwilligung ist die Liste für Werbeanrufe bei Verbrauchern nicht nutzbar.
Wo finde ich die Gesetzestexte im Original?
Die Volltexte stehen frei zugänglich bei § 7 UWG, § 7a UWG und § 20 UWG. Informationen der Aufsichtsbehörde finden Sie bei der Bundesnetzagentur. Begriffe rund um KI-Telefonie erklärt das Famulor-Glossar.
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